Sapere-aude-incipe 2.0

    

                                                    

Brexit 2020                                 

Fanatischer Britte bei der Sägearbeit am Baum der Erkenntnis

 

Postfaktische Toleranz ?

... " sagt Herr Gumbrecht - altersweise - (Seite 120, Brüchige Gegenwart, Reclam 2019). Zusammen mit Sascha Lobos Artikel in spiegelonline vom 21.08.2019 ("https://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-wir-verlieren-den-kampf-um-unsere-koepfe-a-1282994.html") vielleicht ein bedenkenswerter Grund, sich einmal selbst an die Nase zu fassen, um herauszufinden, ob der Kopf noch da ist.

WMH. 19.09.19/23.01.2020

 

Die Sehnsucht nach dem Authentischen

Das Buch „Retroland“ von Valentin Groebner, S.Fischer Verlag, Ffm. 2018, trägt den erläuternden Untertitel: „Geschichtstourismus und die Sehnsucht nach dem Authentischen“.

In dem nur knapp 220 Seiten umfassenden Werk wird alles gestreift, was den Stadtplaner  - wie auch den Stadt-Marketingexperten - heutzutage berührt, wenn er sich beruflich mit Altstadt, erhaltender Erneuerung, Stadtmarketing, Gestaltungssatzung, Stadtsanierung, Dorferneuerung und Denkmalschutz etc... beschäftigt.

Nur dass diese Themen deutlich anders dargestellt und abgehandelt werden, wie gewohnt. Nämlich durch die Brille des Tourismusforschers und des Mittelalter- und Renaissanceforschers. So kommen entscheidend andere, bessere Blickrichtungen zustande.

Was hat z.B. der Mythos um den Berg Samanala Kanda in Ceylon mit der wiederaufgebauten Altstadt von Warschau zu tun? Vermittels einer langsam sich herausschälenden Theorie des Tourismus – beginnend mit einer leisen Kritik an Hans Magnus Enzensbergers ebensolchem Essay von 1962 - schafft es Valentin Groebner den Leser mitzunehmen und nebenbei alle möglichen Begriffsdefinitionen unter die Lupe zu nehmen: Vergangenheit, Geschichte, Identität, Authentisch, Heimat, Substitution, Paradies, Replik, Kopie...

Fazit: das „Original“ existiert in der Regel gar nicht mehr. Das sind alles Rekonstruktionen, die wir heute hervorbringen, um uns an der "Erinnerung" zu delektieren.

Dabei spielen nebenbei auch die „Sex Pistols“ mit Ihrem Titel „Holiday in the Sun“ von 1976 eine Rolle. Auch die Alpen, Portugal und Spanien sind im Detail ihrer Monumente und Landschaften sehr treffend charakterisiert: „Ich reise also bin ICH“ wird ein Reiseprospekt beziehungsreich zitiert.

Die „Wiederholung“ als schillernder Begriff, der auch das"Wiederzurückholen" als Gefühlschiffre (S. 147 ff) beinhaltet:

„... Der Wunsch danach, dass im Urlaub endlich alles richtig sei, richtig wie früher, die Landschaft, die Hotels, die Strände und der Sound, dieser Wunsch schließt Ironie aus. Ich weiß nicht mehr, an welchem Mittelmeerstrand ich den VW-Bus mit Tiroler Kennzeichen gesehen habe – Sardinien? Er hatte Surfbretter auf dem Dach, die Seitentüren bemalt mit einem stilisierten Maori-Muster, darunter groß, in Schwarz: »Riders of the Storm«. Dasselbe Motto hat der Besitzer noch einmal sorgfältig verkleinert vorne über die beiden Frontscheinwerfer geschrieben. Unter den Scheinwerfern und dem Kühlergrill, auf der Stoßstange, saß ein großer Stoffteddybär. Er war mit Draht befestigt und sah, so gefesselt, ein wenig unbehaglich drein. Das Surferstüberl als Roadmovie und wildes Leben, The Doors mit Plüschtier...“

Ganz selbstverständlich werden auch die Doors mit Ihrem epochalem "Riders on the Storm" immer mehr als Denkmal zu betrachten sein. Nicht nur das Grab von Jim Morrison in Paris ist eine Pilgerstätte! Auch im Internet werden Lieder, Lyrics und Filme für eine Ewigkeit ausgestellt, aufgepäppelt, restauriert, mit Sauerstoff versorgt und - wenn nötig - wieder-belebt. 

Sehr empfehlenswertes Buch – gerade auch wegen der zielgerichteten, wissensbasierten Umwege, die um das Thema kreisen.

WMH. 22.01.2019

 

Frankfurt:  Die immer Neue Altstadt - Bauen zwischen Dom und Römer seit 1900, Herausgeber: Sturm, Philipp; Schmal, Peter Cachola , Ffm 2018

Leider hat das € 58,-teure Buch real nur ca. 240 Seiten Lese- und Bilderstoff, da es eine leinen-gebundene Deutsch-und-Englisch-Fassung ist.

Der Inhalt ist allerdings erstklassig. Sehr qualifizierte, seltene Abbildungen der Stadt Frankfurt am Main. Besonders positiv hervorzuheben und zu empfehlen ist der Aufsatz von Stephan Trüby "die Einstecktuchisierung der verrohten Bürgerlichkeit....", auch wenn der Tenor - die ganz Rechten kapern jetzt auch die Altstadt - etwas übernervös erscheint, und die Erhaltung von Baudenkmalen und von ganzen städtebaulichen Denkmalumgebungen allgemein dadurch -ohne Not- einen reaktionären und faschistoiden Zungenschlag bekommt, auch wenn der Autor das so nicht direkt meint.

Diese verkürzende Argumentationskette gab es nach dem II.Weltkrieg bis in die 1970er Jahre in der Architektur- und Städtebau-Literatur schon einmal und ist somit ein echtes Déjà-vu. Ob der Autor die Wiederaufnahme der "alten" rechts-links Argumentation beim Städtebau in dieser Kontinuitätslinie bezweckt ? Oder vertritt er einfach nur die subkutane  altbekannte Architekten-Radikalität à la Le Corbusier, der Altstädte sowieso nicht mochte?. Wer bei Niels Gutschow oder bei Durth die Städtebaugeschichte der letzten 100 Jahre in Deutschland nachliest und nachvollzieht kommt jedenfalls zu einer anderen Schlussfolgerung.

Dennoch sehr spannend und sehr empfehlenswert!

23.11.2018 WMH

Zur Buchbesprechung "Bildung als Provokation"

von K.P.Liessmann, Wien 2017,   in einigen Tageszeitungen.

Es ist positiv zu vermerken, dass in den Tageszeitungen ab und an tatsächlich die kritische Pädagogik zu Wort kommt. Unter anderem wurden wir auf diesem Wege auf das Buch von K.P.Liessmann aufmerksam gemacht. Dies ist umso mehr zu loben, als in den Zeitungen auch die 1968er Jahre in diesem Jahr  – 50 Jahre danach –  eine besondere Beachtung erhalten haben. Viele persönliche Geschichten – gerade auch damalige  Provokationen aus dem schulischen Bereich - kamen hier bereits zu Wort. Dass aber diese beiden Themenblöcke in der Besprechung des Buches „Bildung als Provokation" nicht ansatzweise zusammenfließen, finde ich schade. Hat doch die kritische Pädagogik einen so wesentlichen (und auch durchaus fragwürdigen) Beitrag zur Reform der Bildungslandschaft in Deutschland geleistet. Eine Zusammenführung der Zweigleisigkeit in der Betrachtung – und in der Literaturkritik - scheint angesichts der heutigen Zeitenwende mindestens angebracht.

Wenn Konrad Paul Liessmann insoweit stark auf die „klassischen“ Bildungsinhalte abhebt und alle jene kritisiert, die seit Jahrzehnten an der „Form“ der Bildung zu Lasten der Inhalte herumbasteln, also die ehrgeizigen Bildungspolitiker, die willfährigen Bildungsmanager und die aalglatten Stromlinienformer, dann hat er doch recht. Vielfach wird geschrieben, er treffe damit ins Schwarze. Dann aber folgt der überraschende Versuch einer Diffamierung wegen fehlender „zeitgemäßer Vision“ mit seinen eigenen Argumenten als „rückwärtsgewandten Vordemokraten“, er wird gemessen an einem Formthema wie „Chancengleichheit“, man markiert ihn, um ihn dann am Schluss zum Abschuss freizugeben.

Das ist formal und inhaltlich unangemessen. Denn, wenn Bildung durch extreme Ausweitung der "Bildungs-Themen" zur Bedeutungslosigkeit verkommt und damit tatsächlich ihre „Vielfalt“ verliert, und wenn das Wissen zentralisiert, privatisiert und ausgelagert wird, dann wird das beschränkende Konsequenzen für unsere Kultur haben. "Die Verteidiger des Internets meinen, die Menschheit mache einen Sprung nach vorn, wenn es gelinge, das Gedächtnis zu externalisieren. Das Gehirn werde dadurch zum Denken befreit. Das Gegenteil ist wahr: Wer sich nichts merkt, denkt sich auch nichts" (P.S. Neue Zeilen und Tage, S.105).  Dazu kommt: Die derzeitigen Selektionsmechanismen sind zahlenmäßig explodiert, intransparenter und mystifizierter denn je und belasten die ganze Gesellschaft mit einem falschen Bewusstsein der Qualität der eigenen Leistung. In den wichtigsten Institutionen gibt es Belohnungssysteme mit irrwitzigen und lächerlichen Kriterien.

Davon werden auch die angesprochenen Konzepte der Chancengleichheit und der Individualisierung („ich statt wir“ und „wir statt ihr“?) negativ betroffen sein, die alle dem klassischen Bildungsideal entsprungen sind und nur von dort her erklärbar, vermittelbar und kritisierbar sind.

Ein westlicher Staatspräsident aus der 68er Generation, der den Kant‘schen Imperativ nicht mehr kennt, ist ein Menschenverächter und kein Schlaumeier und im Übrigen wohl auch nicht „Teamfähig“! Ein gottgleicher Google-Chef, der für sein digitales Produkt extreme Geheimhaltung und Schutz einfordert und selbst von allen sonstigen Menschen und Mitarbeitern eine mentale und persönliche Offenlage abverlangt („Dont’t be evil“), ist ein Scheinheiliger und kein „Cleverle“.

Die „schöne Befiederung der Seele“ sollte auch weiterhin als Bildungsziel aufrechterhalten werden und zwar nicht um „das Neue“ auszubremsen, sondern weil noch niemand etwas Besseres vorgeschlagen hat!  Wasser war auch schon in der Antike überwiegend nass, diese Feststellung muss heute gottseidank nicht neu erfunden werden.

Was hat das mit der aktuellen Städtebau- und Architekturdiskussion  zu tun?  

Bildung ist auch in den gestaltenden Wissenschaften kein schlichter Wissenscontainer, den man mal hier und mal dort aufschlagen lässt. Bildung ist auch kein Selbstläufer. Ohne Entscheidungs-, Struktur- und Bildungsqualität gibt es  keine gute Zukunft bei der Gestaltung von Räumen für das Leben und  Wohnen, im Haus, im Quartier und in Stadt -Land-Dorf !

10-2018 WMH

 

Der digitale Imperativ: Cupertino... Apple-Zentrale

... ein Ring, sie alle zu knechten... (frei nach Tolkien)

Als Stadtplaner wundert man sich nicht so sehr über die Form dieses seltsamen Gebäudes, das dadurch wirkt, wie auf insulärem Baugrund errichtet, obwohl das keinesfalls so ist.

Das heißt, auch hier wurde lediglich eine Insel-Kulisse errichtet. Trotz der starken Form ist es eine Verstellung der Wirklichkeit. Städtebau oder Urbanismus sind den Leuten in Cupertino mindestens ebenso fremd wie Teilhabe und Individualität. Die Arbeitsverträge und die Arbeitswelt werden "spätrömisch" inszeniert. Das Gebäude ist eine Arena. Die äußere Fassadenlänge ist nicht definierbar und tendiert gegen endlos. Es gibt eine diskrete unterirdische Zufahrt wie bei einem Bond-Film und es gibt keine platzartige Öffentlichkeit, die diesen Begriff verdient. Der frühere "offene Campus" ist verschwunden. Und Konvex (außen, wehrhaft) oder konkav (innen, sicher) ist nebenbei auch auch eine mittelalterliche Burgthematik im Übergang zum Festungsbau der Renaissance und der Klassik..

Man wundert sich tatsächlich mehr über das, was da im "Baumeister-Bloq" berichtet wird zum Thema "Glas" und "Transparenz":

Die evangelikale Haltung, die einen absoluten "Gott" bei allen Dingen als unseren ständigen Beobachter sehen möchte, reicht den Leuten bei Apple offenbar nicht aus. Das wollen die IT Riesen selber tun." Don't be evil": tue einfach nichts Böses, dann kann dir die völlige Durchleuchtung durch die Sozialen Medien und deren Gerätschaften nichts anhaben.  Dieser digitale Imperativ, der  vom damaligen Google Chef Eric Schmidt  offenbar munter verlautbart wurde, sollte wohl davon ablenken, dass hier Geschäftsinteressen im Kern berührt sind. Fast schon wie Lenins Wort vom "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" nehmen solche Unternehmen die Assistentenstelle im Himmel zusätzlich an und stellen  mit der Maxime "Don't be evil" alle bloß, die etwas zu "verbergen" haben. Sie fordern so die völlige Transparenz der Kunden und der Mitarbeiter ein und keine bis gar keine Transparenz bei dem eigenen Geschäftsmodell.  Auch wenn das "Verbergen dürfen" nämlich die "Intimsphäre schützen dürfen" für den Einzelnen Verfassungsrang hat und die Unternehmen selbst sich munter auf Ihre "Geschäftsgeheimnisse" und Ihre "exklusiven" Patente berufen. Der jeweilige Firmenalgorithmus und sein Nimbus werden immer "heiliger" und gehören zu einem Bereich, den Normalsterbliche weder "sehen" noch "antasten" dürfen.

Doch als weltweit agierendes Unternehmen mit einer Hyperraum-Assistentenstelle braucht man diese sensiblen Details wahrscheinlich nicht so genau zu differenzieren. Obwohl ein Restrisiko bleibt. Denn wir hören da von Apple, Facebook und Co. ein leicht zu widerlegendes "Quod licet Jovi non licet bovi" heraus und Kant kommentiert diese Zumutung aus dem Hintergrund: au contraire...Was du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu.

Insoweit läßt diese Architektur und diese städtebauliche Lösung der neuen Zentrale an Deutlichkeit und... nennen wir es einmal: "Ehrlichkeit"... nichts vermissen.

WMH 22.03.2018

 

 

Blindgiebel – das Narrativ

Eine seitliche Giebelwand, die als Brandwand oder als Anbauwand für einen früher angedachten, zweiten Bauabschnitt oft direkt an der Grundstücksgrenze liegt, ist meist ohne Fenster und wird daher landläufig als „Blindgiebel“ qualifiziert. Es gibt auch seitliche Giebelwände - insbesondere im Bereich der funktionalistischen Architektur – die aus schwer vermittelbaren Gründen bewusst ohne Fenster erstellt wurden – diese können ebenfalls zu den Blindgiebeln gerechnet werden.

Solchen Wandflächen ist gemeinsam, daß einige Zeitgenossen meinen, ihnen hafte der Charakter des Unfertigen an. Da das Unfertige für viele unerträglich ist und dennoch über die Zeit Unterhaltskosten produziert, bemüht man sich seit Beginn der Moderne, diese Flächen als Werbeflächen („Klosterfrau Melissengeist“) zu „gestalten“.

Auch in einem älteren James-Bond-Film kommt einer solchen bemalten Giebelwand eine besondere Bedeutung zu, da sich dann überraschenderweise innerhalb der großformatigen Malerei doch noch ein kleines Fenster öffnet. „...Die seit dem späteren 19. Jahrhundert oft portraitierten Charaktermasken des Verbrechers und des Geheimagenten bezeugen die moderne-typische Aufmerksamkeit für Phänomene verstellten Verhaltens, weit über die seit dem 18. Jahrhundert verbreitete Denkfigur des entlarvten Priesterbetrugs hinaus...“ (P.S: Nach Gott, S.32)

Das Bemalen und Beschriften – manchmal schräg auf der Wand – oft auch in Kursivschrift - konnte sehr wirkungsstark sein. So wirkungsstark und beschleunigend, dass auch die politische Klasse es für sich entdeckte. Doch all das Großformatige war immer nur reine Notlösung, die das Einkommen des Hausbesitzers aufbessert. Oder die HauseigentümerInnen können so die eigene politische Gesinnung und den eigenen Wertekanon öffentlich preisgeben: Er kann so zeigen, dass er nämlich Werte vertritt und Tugenden. Oder dass er einen schlechten Geschmack hat.

Fazit: Das Bemalen und Besprechen und Tätowieren und Pixeln solcher Wände ist eine „Verstellung“. Diese führt zu einer Entwürdigung der Wand, die dann ungefragt nur noch billige Projektionsfläche für allerlei ernstes und schräges Engagement ist. Für uns alle wäre es besser, einfach Fenster einzubauen und Durchblick zu gewähren! - aber es bleibt weithin geübte und leider oft baurechtlich erzwungene Praxis – bei uns oft bezeichnenderweise im Sozialen Wohnbau, in der EX-DDR oder wie in Berlin an der Seitenfassade der Alice-Salomon-Hochschule. Eben gerade dort, wo es besser nicht hingehört.

Ästheten raten generell davon ab, solche Wände mit Sprüchen zu beschriften, da Schriftgröße und Duktus in der Regel den menschlichen Rahmen sprengen und die Wirkung auch durch eine kleine Texttafel zu erreichen wäre, ohne dass das Stadtbild beeinträchtigt würde. Aber manchen kann es ja nicht groß und laut genug sein. Selbst leise Töne werden so durch den falschen Maßstab – ganz abgesehen von ihrem Inhalt - in ihrer Wirkung konterkariert.

Auch das führt zu einer "Verstellung", die weitere Verstellungen dahinter vermuten lassen. Der Spekulation ist Tür und Tor geöffnet. So sind die endlosen Debattenbeiträge zum Thema "Gedicht auf Fassade" auch sozialpsychologisch zu erklären. Es besteht der Verdacht, dass die Dinge nicht so sind, wie sie scheinen, dass immer die Lesart "zwischen den Zeilen" die Richtige ist, dass hinter dem reinen Text in seiner fordergründigen Harmlosigkeit immer auch ein hintergründiger Betrug stattfindet.

Aber: Eine echte, "ehrliche" Medienfassade aus LEDS, die je nach subjektiver Tagesverfassung von dem Hausdesigner, dem Rektor oder sonstigen als Dichterwand oder als Mahnerwand oder als Motivatorwand („Piep-piep, ich hab ihn lieb, meinen Betrieb) benutzt werden könnte, möchte man auch nicht, das wäre ja undemokratisch, ubiquitär und voll kitschig.

Gerade bei stranggepressten Bautypen mit seitlichem Blindgiebel ist die Versuchung aber sehr groß.

Dies vorausgeschickt möchten wir umso mehr auch einen Vorschlag für die Aktualisierung einer solchen Blindfassade machen. Da das alles eine ziemlich grobe Angelegenheit ist, muss man hier offenbar klotzen statt kleckern. Wie wäre es denn mit folgenden konkret poetischen Schriftzügen:

POSTFAKTISCH  und in Variationen:

KOPFSTATISCH und

SCHPAKOFITST und

FISCHKOPSATT und

KITSCHPFOSTA und

POFASTKITSCH und etc.pp

WMH 10.02.18 

 

Neuerscheinung 2017: - Das Königreich der Sprache - 

Ein "Königreich" ist in der Regel ein Begriff der eine räumliche Fläche mit einem vordemokratischen Herrschaftssystem verknüpft. Das Wort "Kingdom" hingegen taucht in vielen Pop-Songs auf. Dort bezieht es sich nie auf einen Fläche sondern auf etwas Metaphysisches oder ist eine Metapher für etwas ganz Anderes. Meist mit "Glück" konnotiert, was man im Deutschen nicht so ganz nachvollziehen kann. So bezieht sich auch der Song-Titel "Kings & Queens" 1969 von "Renaissance" auf etwas ganz anderes als man das im Deutschen so zu erkennen meinte.

Zwischen dem Englischen und der Übersetzung ins Deutsche gibt es ja viele Ungereimtheiten, man denke nur an das Wort "Leader", das so gerne in der internationalen Machtpolitik benutzt wird, und dann bei uns nicht "Führer" heißt sondern gerne "nur" mit "Anführer" übersetzt wird. Das hat natürlich gute, sehr deutsche Gründe... und trägt damit nicht unbedingt zum besseren Verständnis z.B. des Führers der westlichen Welt bei, der - wie wir kürzlich erfahren haben - den "größeren Knopf" hat.

Der Verfasser der witzigen Bauhauskritik „ From Bauhaus to our house“ (N.Y., 1981, deutsch: Mit dem Bauhaus leben, Ffm. 1984) hat nun ein vorzügliches Buch über die Geschichte der Sprachforschung geschrieben. Jedem „Strukturalisten“ und jedem, der den Wissenschaftsbetrieb kennt oder die Produktionsbedingungen von Wissen kennenlernen möchte, sehr zu empfehlen: „Das Königreich der Sprache“ von Tom Wolfe (Mchn., 2017, O:“ the Kingdom of speech, N.Y., 2016). Und nebenbei kann man sich noch Gedanken machen, wie das eine oder andere Wort von Tom Wolfe im Originaltext wohl lautete und warum die Übersetzung von Yvonne Badal uns den lockeren Sprachstil des Autors so gut nachempfinden lässt. 

So heißt es an einer Textstelle des Buches, in der es um die Entstehung der Publikation der Evolutionstheorie geht:

"... Als Mr. Charles Darwin das Manuskript und den Brief (von Alfred Russel Wallace, WMH) im Juni 1858 erhielt - und man möge mir nun den Anachronismus eines Idioms verzeihen, das erst rund ein Jahrhundert später erfunden wurde -, flippte er aus...."

So mögen wir Tom Wolfe......

WMH- 01-2018

 

Statement zum Sozialen Wohnungsbau und zum seriellen Bauen

Der Musiker Brian May, Gitarrist der Gruppe „Queen“ sagte kürzlich (Rheinpfalz vom 16.04.2016): „Ich will gleiche Möglichkeiten für die Menschen sehen, wirklich gleiche Möglichkeiten. Ich will nicht erleben, dass sich jemand bereichert auf Kosten der Armen. Es geht nicht um Selbstsucht, es geht nicht um wirtschaftliche Erholung, es geht nicht um Geld, es geht um Mitgefühl und Anstand und darum, auf eine Gesellschaft hinzuarbeiten, die jedem einzelnen nutzt.“

Diesem programmatischen Anspruch kann man eigentlich nur beipflichten!

Aber in den Niederungen gibt es diverse hartnäckige und bösartige Widerstände, insbesondere in der Wohnungsbau-Frage. Bei dem – ideologisch motivierten – Zu-Grabe-tragen des sozialen Wohnungsbaus in Deutschland ab Anfang  der 80er Jahre - der an sich eine besondere Errungenschaft war - waren alle Neoliberalen und wohl auch alle Anderen und wir Architekten kräftig beteiligt, obwohl die Stadtplaner fachlich immer warnten und auf das kommende Fiasko hinwiesen.

Die soziale Demontage kannte damals im Westen und kurz darauf im Osten keine Grenzen. Insoweit ist diese Kammerinitiative rund ein Vierteljahrhundert zu spät und somit überraschend aber auch sehr zu loben.

Leider ist von der Kammer als Mitausloberin des Ideenwettbewerbs bereits eine unglückliche Festlegung auf den „Gedanken des Seriellen“ erfolgt. Um die ungeheure Dimension dieser Festlegung zu begreifen, genügt es sich zu vergegenwärtigen, dass ca. 1 Mio. Wohnungen des seriellen Bauens der 2.Hälfte des vorigen Jahrhunderts, also der Nachkriegsarchitektur, in den letzten 25 Jahren abgebrochen wurden, weil sie obsolet geworden waren (staatliche Plattenbauten, staatliche Hochschulbauten, aber auch andere, Stichwort „Marl“).

Die Wüstenrotstiftung hat 1993 eine ausführliche Analyse der Baustruktur des seriellen Bauens in der DDR veröffentlicht, und so ganz nebenbei auch eine veritable „wohnungswirtschaftliche, soziologische und bautechnische“ Kritik des seriellen Bauens geliefert. Dass mit großflächigen Abbrüchen auch immer der Verlust von Heimat verbunden ist, darf nicht unerwähnt bleiben. Sei es die Erkenntnis, dass man hier Diagnose- und Strukturfehler in der Vergangenheit gemacht hat und nun „heilen“ will und im Überschwang mit der „Therapie“ auf besonders fragwürdige, schamanistische („untote“) Beschwörungs-Konzepte setzt.

Oder sei es, dass man – gedankenloserweise - sozialen Herausforderungen besonders gerne mit restriktiven Lösungsvorschlägen begegnet. Obwohl es sich also „nur“ um einen Wettbewerb der „Ideen“ handelt, fehlt hier bereits schon die erforderliche Freiheit des Diskussionsbeitrags. Hängenlassen von Themen über Jahre und kurzsichtiges Lösungsgestrampel bzw. Aktionismus entlang von überkommenen Leitlinien – das ist das klassische Chesterton-Paradoxon: Sie wollen etwas Neues, hängen aber persönlich erneut in einer Zeitschleife fest.

Dabei ist eine breite Diskussion- Motto: was wollen wir mit einem neuen Wohnungsbau erreichen? - dringend erforderlich, um die Fehler der Vergangenheit nicht in Fehler der Zukunft zu überführen. Und um heute neue Argumente für einen ausgewogenen Wohnungsbau zu liefern. Sozialer Wohnungsbau darf nicht mehr als „Mitleidshandlung“ verstanden und gestaltet werden.(„wir gewähren Geld für die Minderbemittelten...“).

Bereits die Reduktion auf „billig“ ist demütigend und kontraproduktiv. Die Wohnung ist die zentrale Existenzbedingung des Lebens. Ein Ideenwettbewerb hätte hier eine Chance sein können, die richtungsweisende Theorie und Praxis neu zu fassen.

„...Wo der gute Wille zur Theorie aufkommt, erkennt man ihn an dem methodischen Amoralismus, der fordert, vitale Interessen und lokale Befangenheiten für die Dauer der Untersuchung einzuklammern. Es ist behauptet worden, Theorie, die etwas taugen soll, gedeihe nur in kühl-trockenen Räumen. "Guter Geist ist trocken", sagte vorzeiten Paul Valéry; Nietzsche hatte sinngemäß vorausgeschickt, wer denken will, muss gut frieren können...“ sagte ein Philosoph aus Karlsruhe in ähnlichem Zusammenhang hierzu lapidar.

Es ist zu bedenken, dass der serielle Wohnungsbau kein wirklicher Lösungsansatz ist und keine passable Theorie in sich trägt, sondern nur eine neue Spirale der einschlägigen Bauindustrie ist, um vorgeblich billig für gutes Geld zu bauen. Da werden vorhersehbar überbordende Großaufträge formuliert, die sich weder in die Region noch in die Stadträume noch in unsere Baukultur integrieren.

Etwa so wie die Funktionärs-Planungskonzepte in China, erprobt von großen Firmen. „Why not?“ Die Vorstellung, dass die Trabanten von einst Vorbild für die Trabanten von Morgen sind, ist unerträglich.

Wo bleibt das erfolgreiche Durchmischungskonzept der europäischen Stadt? Segregation würde ohne die Durchmischung dann erst recht fester Bestandteil unserer Lebens- und Baukultur.

Auch ein „nur“ methodisches oder „punktuelles“ 70er-Jahre-Revival ist keine „kleine“ Lösung für die aktuellen Fragen des Wohnungsbaus, sondern gar keine. Fachlich sind wir heute deutlich weiter.

WMH 04-2016

 

Zu: "Uhrenmanufaktur in Glashütte - Zeichen der Kontinuität

Deutsche Bauzeitung Januar 2016"

vielen Dank für die gute Besprechung des Erweiterungsbaus von -jessenvollenweider architektur - der Uhrenmanufaktur A.Lange&Söhne in Glashütte/Sachsen.

Gerade dass Sie die Besonderheiten dieser "gewerblichen" Innenstadtentwicklung abheben von den gewöhnlichen, belanglosen Industrieerweiterungen der letzten Jahre und dass Sie die kluge Fassadenstrukturierung so sensibel beschreiben, hebt diese Kritik aus den üblichen Besprechungen hervor. Ich denke, die starke Strukturbildung tut diesem Standort gut. Der braucht starke, zeichenhafte Gebäude und nicht industrielle UFOs. Gleichzeitig ist hier dennoch eine differenzierte Baumasse entstanden. Sie schreiben:" ...Das niedrigere nimmt die Traufhöhe des gegenüberliegenden Altbaus auf, an den es mit einem Verbindungsgang über eine Straße hinweg andockt..." Wenn man sich die Geschichte dieses Bestandsgebäudes mit axialem "Dachtympanon", das zwischendurch auch einmal als Supermarkt oder Schnäppchenmarkt dienen sollte, anschaut, so ist die damalige Erhaltung und Umnutzung bereits ein kleines Wunder gewesen.

Als Stadtplaner war ich eine gewisse Zeit für die Stadt Glashütte u.a. in der "Unterstadt" tätig. Wir haben dort einen Bebauungsplan erstellt. Das Grundstück des Neubauteils an der Müglitz war übrigens ursprünglich ein Brauereigrundstück ("Müglitztal-Brauerei"). Wir hatten diesem zunehmend zerfallenden großformatigen Gebäudeensemble städtebaulich als auch bauhistorisch eine besondere Bedeutung zugemessen auch über den physischen Bestand hinaus und eine "Entscheidungsmatrix" für den prinzipiellen Umgang mit einem solchen Gewerbeensemble entwickelt.

Ich bin sehr froh, dass sich jessenvollenweider architektur aus Basel so qualitätvoll und durchaus auf die vorbildliche Schweizer Art zurückhaltend mit dem genius loci dort im Tal auseinandergesetzt haben. Diese eminent städtebauliche Lösung sollte Schule machen.

WMH. 02-2016

 

  

"Je suis Charlie"  (7.Januar 2015)

Als zeichnender  Mensch weiß man um die Aufregung und die Anfeindung, die Zeichnungen, Skizzen und "Pläne" auslösen können. Nachdenken bzw. Überprüfung oder Veränderung der eigenen Sichtweise ist die Absicht der visualisierenden Arbeit. Und das ist eben auch der Sinn des dadurch ausgelösten, zivilen Diskurses, der eine allgemeine kulturelle Bildung voraussetzt.

Religiöse Bildungsfeinde verstehen das nicht -  mit einer allgemeingefährlichen Konsequenz: Sie greifen dumpf-naiv zur Waffe und richten ein Massaker an, bei dem vor allem sie selbst im medialen Mittelpunkt stehen wollen. 

Das ist die Fortsetzung pseudo-männlicher Wichtigtuerei mit ultimativen Mitteln (auch immer wieder im pubertären Schülermilieu zu entdecken). In dieser Sichtweise ist der, der dabei bewusst oder unbewusst getroffen wird und zu Tode kommt, mitschuld !  Und diese Strategie geht in unserer absurd zielorientierten Gesellschaft auch noch auf: Seit Tagen wird über "Religionsfreiheit" diskutiert, ja sie wird regelrecht beschworen, statt dass man jetzt vor allem die Ermordeten und deren Lebensleistung  in den Mittelpunkt stellt.  Daher wird seit Tagen nicht über die Opfer gesprochen sondern über die abscheulichen und indiskutablen Motive der Täter.  Hier wird eine wichtige Chance vertan. Wie außerordentlich bedauerlich!

"...Les dessinateurs Charb (47 ans), Tignous (58 ans) et Wolinski (80 ans) sont décédés ce mercredi dans l'attentat survenu dans les locaux de "Charlie Hebdo" qui a fait douze morts. Leurs décès ont été confirmés peu de temps après celui de Cabu.

Stéphane Charbonnier, dit Charb, était le directeur de la publication du journal satirique depuis mai 2009 et le départ de Philippe Val. Né le 21 août 1967 à Conflans-Sainte-Honorine, ce dessinateur avait aussi collaboré à "L'Écho des savanes", "Télérama", "Fluide glacial" et "L'Humanité".

Tignous, de son vrai nom Bernard Verlhac, était pour sa part né en 1957 et était aussi un collaborateur de "Marianne" et "Fluide glacial". Quant à Georges Wolinski, né en 1934, il avait aussi été dessinateur dans les revues "Hara-Kiri", "Action", "Paris-Presse", "Hara-Kiri Hebdo", "L'Humanité" et "Paris Match". Il avait aussi été rédacteur en chef de "Charlie Mensuel"...."

Der Comiczeichner und Karikaturist Georges Wolinski ist tot.  Er wurde gestern ermordet..

Ursprünglich hat Georges Wolinski in Paris Architektur studiert und mit 26 Jahren dann ab 1960 Comicstrips für "Hara-Kiri" gezeichnet. 

Er  war und ist uns wohlbekannt. Er hatte wunderbare Zeichnungen und Comics zu "brisanten" Themen verfasst in seiner ganz persönlichen "knubbligen" Handschrift und diese mit seiner sehr speziellen, aufgeklärten Denke textlich ausgestattet.

Wie sagte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, kürzlich so treffend: "...Eine Karikatur ist eine Karikatur und sie karikiert, darum heißt sie so..." 

WMH, 10.01.2015

  

Karlsruhe feierte 2015 den 300.Stadtgeburtstag:

"Die Stadt ist der Star"

Das ZKM - Zentrum für Kunst und Medientechnologie veranstaltet  im Rahmen der Ausstellung "Globale" und des 300.Stadtgeburtstags der "Planstadt" Karlsruhe ("klar und lichtvoll wie eine Regel":1715-2015) als künstlerische Leitung urbanistische Aktionen im Stadtzentrum von Karlsruhe, unter anderem geschieht Folgendes:

"...Auf dem Marktplatz, dem Herzstück der ehemaligen Residenzstadt, bringt der argentinische Künstler Leandro Erlich mit einer spektakulären Großinstallation PassantInnen und AnwohnerInnen zum Staunen. »Pulled by the Roots« ist der Titel der Arbeit, die einem Baukran eine ungewöhnlich schwere Last zu tragen gibt: .  

An den Stahlseilen des »Kunstkrans« hängen keine Baumaterialien, Container oder Maschinen – ganz über der Stadt. Oberhalb der Baustelle schwebt in luftiger Höhe ein ganzes Haus. Architektonisch einem historischen Bau von Friedrich Weinbrenner nachempfunden, scheint das Gebäude mit seinem Wurzelwerk buchstäblich aus einer der Nachbarstraßen herausgerissen zu sein.
 
Baustellen werden von vielen Einwohnern als Belastung, wenn nicht als Katastrophe empfunden. Der mehrjährige Bauprozess wird auch erschwert durch unvorhersehbare Störungen und Vorfälle. So kommt es immer wieder zu Bildern einer urbanen Situation, bei denen man nicht weiß, ob sie absichtlich oder unabsichtlich entstanden, ob sie das Ergebnis eines Zufalls oder eines Unfalls sind...."

weiter...

...ab 19.Juni 2015!

 


Lärm 2014:

Richter in St. Goar urteilt über Kinderlärm und beschränkt die Lärmzeiten trotz Gesetzesänderung

Die Diskussion um "Lärm" und seine Bedeutung ist keine Erfindung der Neuzeit. Das kann in dem sehr empfehlenswerten Reclam-Büchlein "Du sollst nicht lärmen" hervorragend und amüsant nachgelesen werden anhand der Textauszüge von Seneca über Kafka und Eco bis Gernhardt.

Die Frage, ob Wasser nass ist oder nicht, berührt nur Fachleute oder die direkt Betroffenen, also "die Nassen"! Dass heute aber in einer gewissen Breite und besonders in den Medien wieder gerne den irrationalen Gedanken also: Wasser sein nicht nass und Lärm nicht laut, nachgegangen wird, ist typisch für den fehlgeleiteten und falschmotivierten Zeitgeist. Niemand hilft durch irrationale Parolen den Eltern tatsächlich weiter, wenn es um die Erziehung und Lebens-Ertüchtigung der Nachkommen geht. Und jeder der sich heute an der Vernunft vergeht, wird das an anderer Stelle büßen. Ob rheinland-pfälzische Kinder und - besonders solche aus St. Goar - exorbitant "laut" sind, so dass sich die Justiz damit befassen muss, kann zur Zeit wohl niemand beantworten. Jedenfalls meinte der Landesgesetzgeber offenbar, es herrsche Handlungsbedarf und er müsse hier Symbolpolitik betreiben, die einem physikalischen Lärmmessverbot gleichkommt. Was für eine Steilvorlage für die Richterschaft!

  

Design 2014: Das Auge leidet mit!

 

"Das Auge kauft mit" konstatierte die Rheinpfalz als Bildunterschrift zu Designentwicklungen bei den Daimlers in China. Vielleicht sollte man das dargestellte Daimler-Modell einmal von der Kulturredaktion besprechen lassen!

Die Abbildung spricht jedenfalls Bände! Für mich als designorientierten Leser sieht die Vorderseite des Modells, also das "Face" so "verschwollen" aus, dass man meint, Wladimir Klitschko hätte sich hieran abgearbeitet. Mindestens ist es hier "spät" geworden, gestern, und die Laune ist auf dem Nullpunkt, so scheint es. "Das Auge leidet mit" hätte als Überschrift mehr Berechtigung!

Wer ein solches Auto kauft und selbstreferentiell fährt, also zur Selbstdarstellung, muss sich in Acht nehmen, denn die übellaunige Botschaft der Designer ist offenkundig, "ich habe schon eins in die F..... bekommen, geh' mir aus dem Weg, sonst ess' ich Dich", und das wird von vielen anderen Verkehrsteilnehmern, die nicht "Gamer" sind, selten "geliked" oder "geteilt". Warum hat Daimler die "Hooligans" und die "Schlägertypen" und die "Destroyer" mit Ihren verletzten Seelen als Zielgruppe erkoren? Sind das die letzten "emotionalen Käufer"? Gerade außerhalb der Bundesrepublik? Oder sollen wir uns als Avatare in solche hineinversetzten? Haben wir das nötig? Oder sind wir ohne das alles in unserer eigenen Existenz zu schwach und zu brav?

Mitnichten. 

 

"55 Tonnen Schutt" (?)

Zur Meldung der "Rheinpfalz" vom 3.Februar 2014 : "55 Tonnen Bauschutt in 10 Sekunden" zur Sprengung des Frankfurter Uni-"Elfenbein"-Turms....

"Knapp 7 Hochhäuser passen in 1 Haifischbecken" hätte die Überschrift lauten müssen: In Frankfurt ist es wie im Märchen: durch die Super-Sprengung des Frankfurter Uni-Turms am Sonntag -so meinte "Die Rheinpfalz" am Montag - seinen nur 55 Tonnen Schutt angefallen, das sind gerade mal 10 Kipp-Mulden. Chapeau!
Der Leser spekuliert nun: Der Rest ist wohl als Fein-Staub über Frankfurt niedergegangen. Vermutlich mit mehreren cm über dem gesamten Stadtgebiet, wenn das reicht. Darüber schweigt sich die Rheinpfalz aus. Vielleicht, weil der Staubteppich sogar bis Ludwigshafen reicht? Fragen über Fragen tun sich hier auf.

Die Hessen sind ja auch sooo clever. Wenn dagegen die bemitleidenswerten Badener in Karlsruhe ein Haifischbecken in Ihr Naturkundemuseum einbauen, dann wiegt die betroffene Decke - so meinte dieselbe
Rheinpfalz am Montag auf Ihrer Seite "Aus der Region" - 400 Tonnen also rund das Siebenfache des behaupteten Frankfurter Hochhaus-Schutts. Hier müssen extrem kompakte Massen eingebaut worden sein, damit die Masse von ca. 7 Hochhäusern in ein Geschoss passt. Ob da noch ausreichend Platz
für die armen Haie bleibt?

Jedenfalls sollten Sie die Rubrik "Wunder der Erde" damit bereichern.

W.M.H. 3.Februar 2014

 

Öffentliches Design - armer öffentlicher Raum

...da muss man durch!

 

Quelle: WMH, eigene Aufnahme 01-2014, Standort Landau in der Pfalz, Weißquartierplatz, öffentlicher Parkplatz. 

Was die einen für  schrottige Anmutung und  unglückliche Kombination mit integrierter  Dysfunktion  des Public Design halten, ist für andere Anlass zur Heiterkeit: Die Diskussion um die Ausrichtung und Zuordnung von Einzelelementen im öffentlichen Raum führt oft zu den absurdesten Ergebnissen, wie man auch an diesem Beispiel wieder sehen kann. Und die frohe Botschaft für uns Planer:  Es gibt immer noch viel zu tun gegen die Gestalt-Legasthenie im Land! Doch der Spaß geht weiter:

In Landau hat man die einmalige Möglichkeit,  gleichzeitig ein Billett zu lösen und dabei "an der Stange zu tanzen". Man denke an "Burlesque" (USA 2010, Regie: Steve Antin, mit Cher, Christina Aguilera und anderen in den Hauptrollen)  und was sich daraus alles machen ließe für das Stadtmarketing.  Angesichts der tatsächlich aber schwachen Ästhetik der Örtlichkeit allerdings nur in You-Tube-Qualität filmisch darstellbar.

Vielleicht sind die hausgemachten "Verwüstungen" und die Unorte  im öffentlichen Raum, die Schwierigkeiten, die man hat, um einfach nur  "durchzukommen" - auch im übertragenen Sinne - , dafür verantwortlich, dass immer mehr Mitmenschen meinen , im Alltag ein Geländefahrzeug oder einen Jeep zu benötigen. Der würde hier gut her passen.

WMH 10-01-2014 

 

„Brasilia – die gebaute Utopie“ ??

Kritik an Designlines vom 26.11.2010

Im Zusammenhang mit dieser immer wieder so bezeichneten „gebauten Utopie“ – vielleicht sollten sich die Verfasser diese Mainstream-Vokabeln besser verkneifen – von gravierender Fehlplanung zu sprechen ist einfach zu indifferent und zu banal. Die Tatsache, dass vor den „Toren“ Brasilias (welche Tore?) als städtebaulicher und sozialpolitischer Kontrast Favelas entstanden sind, ist doch wohl eher auf fehlende Planung zurückzuführen. Brasilia in seinem geplanten Kern ist das glatte und kalte Gegenbeispiel von Wirtschaftsliberalität im Städtebau. Dass aber Brasiliens Eliten und die Politik heute in den dortigen Boomzeiten immer noch nicht gelernt haben, damit klug umzugehen, ist doch der eigentliche Skandal.

WMH-23-08-2013(rv)

 

Grundsteinlegung:  Berliner Stadtschloss 

An

Baumeister-Redaktion


Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Gutzmer,

ich greife hier Ihre Zeile ..."Ich habe meine Probleme mit dem Projekt. Städtebaulich, weil sich die Stadt verändert hat und es an dieser Stelle keinen derart dimensionierten öffentlichen Bau braucht..." auf.

Nein, gerade das Gegenteil ist der Fall.

Das ist nicht etwas, was man als Fachredakteur so kurzerhand behaupten darf, ohne den internationalen städtebaulichen Wettbewerb aus den Gedächtnis auszublenden. Baukultur ist auch Planungskultur. Hier zeigt sich die besondere Bedeutung der städtebaulichen Planung, die auch verlorengegangene Zusammenhänge, "aufspürt", kulturell bewertet und neu interpretiert. Ein großer Schritt gegenüber einem simplen Implantat a la "Leuchtturmprojekt" oder einer "REKO-Maßnahme" oder wie das alles so heißt.

Als einer der Teilnehmer (1.Phase ca. 1200 Teilnehmer, 2.Phase 50 Teilnehmer, Ankauf) des damaligen Wettbewerbs möchte ich heftig widersprechen:

der Bereich benötigt gerade aus städtebaulicher Sicht eine besondere Nutzung und eine räumliche Ausgestaltung durch einen hervorgehobenen, ausdrucksstarken Baukörper. - das ist auch das damalige - fachkundig ermittelte - Wettbewerbsergebnis gewesen. Schauen Sie sich das doch einmal an!

Selbst wer nur eine "Spreerundfahrt" macht, spürt sofort den Bedarf.

WMH-13-06-2013

  

Außenhaut zum Innehalten?

Die langweiligen gepixelten Kistenfassaden von heute sind die "Eierschalen-Vorhang-Schabracken-Fassaden" von früher. Ein Urenkel-Urgroßvater-Ding. Das Verfallsdatum steht oben am Deckenrand ( nur lesbar für Besitzer eines geeigneten Phones). SENECA sagt: Vor nichts sollten wir uns folglich mehr in acht nehmen als davor, wie Schafe der Herde zu folgen, die vor uns dahinzieht, und nicht die Richtung einzuschlagen, in die man gehen müßte, sondern die, in die man geht. Also nicht halten, schnell und gut orientiert weitergehen!

WMH-01-04-2012

 

zum Thema:

"Kaufen Sie Land. Es wird keins mehr gemacht."(Marc Twain)

hat Fred Pearce das Buch "Land Grabbing - der globale Kampf um Grund und Boden" im Verlag Antje Kunstmann  (O: The Land Grabbers, Boston 2012) veröffentlicht. "

Aus der Einleitung: "...Scheichs vom Golf, chinesische Staatskonzerne, Spekulanten von der Wall Strett, russische Oligarchen, indische Mikrochip-Milliardäre Weltuntergangsfatalisten, Missionare aus dem Mittelwesten  und Hedgefonds-Manager aus der Londoner City, sie alle suchen unseren Globus nach billigem Grund und Boden ab, um Landsleute zu ernähren, ihre eigenen Profite zu steigern oder um etwas für ihr gutes Gewissen zu tun. Flächen von der Größe kleinerer Staaten wechseln zu einem Spottpreis die Besitzer. Wer aber sind die Käufer - und wem gehört das Land, das da veräußert wird?...

 

Novelle 2013 des Baugesetzbuchs

"...Das Gesetz zur Stärkung der Innenentwicklung in den Städten und Gemeinden und weiteren Fortentwicklung des Städtebaurechts, welches in Artikel 1 Änderungen des Baugesetzbuchs (BauGB) enthält, wurde am 20.06.2013 im Bundesgesetzblatt (BGBl. I S. 1548) verkündet..."

 

Autofreies Quartier

In London plant IKEA ein autofreies Stadtviertel auf einer Fläche von 11 Hektar.IKEA - wie viele andere "Global Players" kauft städtisches Land und baut sich seine eigene Welt....

 

 

Brückenbau:

Fußgänger-Brücke in Covilha-Portugal, Architekt : J.L.Carrilho de Garca

"..Sinuskurve mit Weitblick, 08.02.2011 , Autor: Norman Kietzmann, Fotograf: Vitor Gabriel
Sie überqueren nicht nur Flüsse, Straßen oder Schienen: Brücken sind Nadelöhre, die ihre Passanten automatisch ins Schweben versetzen – ein Umstand, der auf Fußgängerbrücken, wo keine Verkehrsgeräusche die Sinneseindrücke verfremden, umso mehr gesteigert wird. Dass die Verbindung zweier Punkte nicht nur räumliche Qualitäten entfalten kann, zeigt die Fußgängerbrücke über den Fluss Carpinteira, die der Lissaboner Architekt João Luis Carrilho da Graça in der portugiesischen Kleinstadt Covilhã realisierte. Diese verbindet eine kraftvolle, skulpturale Gestalt mit einer Eigenschaft, die auf Brücken bislang selten zu finden war: Wohnlichkeit...."(Quelle:
www.designlines.de)

(Eigene Skizze, Fotoüberzeichnung)

Unser Kommentar:

Sehr schöne Kommunalbrücke - zumal für Fußgänger!! – die durch Lage und Dimension trotz reduzierter Gestalt allerdings auch sehr dominant ist. Sie tritt  eher als Bilderrahmen in Erscheinung. Ob hier die wunderbare Hoffnung aufgeht, Aufenthaltsqualität schütze vor Vandalismus, darf bezweifelt werden, das funktioniert nur in sehr kleinen Orten, ohne anonymes, falsch-programmiertes städtisches Publikum. Aber das Beispiel könnte vielen Altstädten in Tallagen wieder vor Augen führen, wie städtebaulich hilfreich hochliegende fußläufige "Verbindungen" sein können, um die Eigenbedeutung der Stadt erleben zu können und wie wichtig hier die Gestaltung einer Brücke und die Lenkung der Blickbeziehungen auf die Dachlandschaft etc. sein können: kulturell betrachtet ist das alles sehr  viel mehr als die kürzeste Verbindung von 2 Punkten.

14.02.2011 - WMH .

 

Öffentlicher Raum

Wir ...müssen für eine Neudefinition des öffentlichen Raums sorgen. Der künftige "öffentliche Raum" muss so definiert werden, dass er nicht durch Privatisierung oder Halbprivatisierung oder durch sonstige Willkürdefinitionen weiter geschmälert werden kann, insbesondere in Bezug auf die universelle Sicherstellung der Ausübung und Verortung von verbürgten Grundrechten wie freie Meinungsäußerung oder Versammlungsfreiheit. Das ist heute deutlich gefährdet. Denn wie sonst sollte man es verstehen, dass sich das BUNDESVERFASSUNGSGERICHT damit so dezidiert beschäftigen musste : Das Bundesverfassungsgericht hat hier gestern ein staunenswertes Urteil veröffentlicht zur (zugegeben eingeschränkten) Demonstrationsfreiheit im Gebäude des Frankfurter Flughafens, das auch der halbprivate Betreiber Fraport beachten muss. Ein generelles Verbot ist dort nicht mehr zulässig. Folgende Sätze unseres Obersten Gerichts finde ich persönlich als Bürger besonders gut, zumal es einfach nur klarstellt:

 "...Deshalb kann das Verbot des Verteilens von Flugblättern insbesondere auch nicht auf den Wunsch gestützt werden, eine "Wohlfühlatmosphäre" in einer reinen Welt des Konsums zu schaffen, die von politischen Diskussionen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen frei bleibt. Ein vom Elend der Welt unbeschwertes Gemüt des Bürgers ist kein Belang, zu dessen Schutz der Staat Grundrechtspositionen einschränken darf .... Unerheblich sind folglich Belästigungen Dritter, die darin liegen, dass diese mit ihnen unliebsamen Themen konfrontiert werden. Erst recht ausgeschlossen sind Verbote zu dem Zweck, bestimmte Meinungsäußerungen allein deshalb zu unterbinden, weil sie von der Beklagten nicht geteilt, inhaltlich missbilligt oder wegen kritischer Aussagen gegenüber dem betreffenden Unternehmen als geschäftsschädigend beurteilt werden..."(Aktenzeichen 1 BvR 699/06)

WMH.23-02-2011

  

Informelle Planung - aus DBZ 1-98

 

Stadtbauliche Erneuerung - Gestaltung der Coverabbildung

          ... in Sachsen aus Förderprojekt

 

Planung in Ostdeutschland  in Acus Nr. 20   mit Baltin und Fester

 


 

 

Flughafen Peking - zu Rheinpfalz-Ausgabe vom 29.02.2008

Zeitgeschehen: „Schon jetzt Symbol für das neue Peking“ von Jutta Lietsch und Foto von AFP

Text und Bild

 Das neue, dreigeteilte Terminal am Pekinger Flughafen ist offenbar – so lesen in dem kenntnis- und detailreichen Text und so wissen wir – eine architektonische, organisatorische und technische Besonderheit ersten Ranges. Die exorbitante Dimension: 3.500 m lang. Das Drachendach. Und mit einer Bahn verbunden. Norman Forster. Das würden wir gerne einmal so nebenbei besichtigen wollen. Doch Peking ist weit.

Aber dieses „ehrliche“  AFP-Foto hilft uns über die wirkliche Distanz hinweg. Über die Hälfte des Bildes ist attraktiven, aufgeständerten Verkehrsflächen und Geländerkonstruktionen gewidmet. Was daran spektakulär sein soll, entzieht sich zwar dem Betrachter. Allerdings:

Das abgebildete städtebauliche und verkehrliche Konzept könnten wir auch getrost in unserer Nachbarschaft z.B. in Ludwigshafen besichtigen, sozusagen im Freiflug.  Wenn da nicht das irritierende Dach im Hintergrund wäre...

 WMH-29.02.2008

 

Das Reihenhaus  

-Rheinpfalz am Sonntag – Trends v.15.02.09, Seite 16 „Leben in der Reihe“

sehr löblich, dass Sie sich dieser Thematik angenommen haben. Obwohl Sie selbst einräumen, dass es aus Mediensicht offenbar kein ausgesprochenes Lifestyle-Thema ist, das „Leben in der Reihe“, kann das „Innenleben“, wie Ihr Artikel positiv bestätigt, hier sehr vielfältig sein kann. Bitte setzten Sie diese „Reihe“ fort.

Dabei liegt der insgesamt eher abschätzigen Haltung - wie ich meine - eine Fehldefinition dessen zugrunde, was man unter einem „Reihenhaus“ zu verstehen hat. Abseits von Marketingfragen muß doch ganz deutlich betont werden, daß es sich bei diesem Haus- und Wohnstil um ein ganz besonders erfolgreiches und vielfältiges Baukonzept handelt. Entgegen der allgemeinen Meinung, das Reihenhaus sei insbesondere in der Reihenhaussiedlung verwirklicht, muß doch entschieden gegengehalten werden, daß fast jede verdichtete Bebauung in Stadt und Land in der Regel auch aus Reihenhäusern besteht. So ist in den historischen Ortszentren spätestens seit der Renaissance Haus an Haus in Reihe gebaut worden.

Das heißt, auch die so beliebten gründerzeitlichen Wohnviertel mit Ihren großen Flächen und Raumhöhen und der geschlossenen, oft direkt an die Straße und die Gehwege angrenzenden Bebauung bestehen ebenfalls vorwiegend aus Reihenhäusern. Allerdings mit einem deutlich differenzierteren, städtebaulichen Grundkonzept. Letztlich wird über die Frage der Qualität eines Stadtviertels oder eines Siedlungsbereichs gleich zu Beginn durch die Art der Gruppierung und die öffentlichen Ansprüche an die Gestaltung der Einzelhäuser entschieden. Das im Ausschnitt abgebildete Siedlungsbeispiel ist in dieser Hinsicht offenbar eher als „schlicht“ zu bezeichnen, und trägt nach heutiger Wertvorstellung sicher zu dem Ruf bei, Reihenhäuser seien irgendwie „billig“ oder gar „primitiv“, oft von einem einzigen Bauträger uniform erstellt, sozusagen „strangepresst“ und dann für die Vermarktung wieder kleingeschnitten, selbst wenn bei genauer Betrachtung die Wohnungen selbst „überraschend“ gut sind. Die heutigen Ansprüche erfordern auch bei Reihenhäusern individuelle, kostengünstige Lösungen wie bei einem Einzelhaus, d.h. ggf. auch Einzelvermarktung der Grundstücke, innerhalb einer attraktiven, verdichteten Gesamtkonzeption.   

Auf früheren Militärflächen z.B. in Tübingen wurden in den letzten Jahren auf diese Weise sehr gute Reihenhäuser auch in Form von mehrgeschossigen Wohnhäusern erstellt, denen das magere Image nicht anhaftet. Ich würde mir eine intensivere und weitergefasste Diskussion in diesem Bereich durchaus als echtes Lifestyle-Thema vorstellen können.

WMH - 15.02.2009 

  

Zu einem Dokumentarfilm über den

Potsdamer Platz

und seine Eröffnung 2004 durch Roman Herzog

„bright, safe and clean...“

(Filmtitel, Werbebotschaft zur Eröffnung)

...an sich im allgemeinen Verständnis positiv besetzte Begriffe. In der Architektur versteht man gutmeinend darunter z.B. die weißen Le-Corbusier-Bauten der 30er Jahre und seine kleinen, schicken Wohnhäuser. Der Theorie nach soll die Properkeit - wie eine „gute“ Infektion - ansteckend sein, aus sich heraus als Vorbild wirken und den Neuen Menschen mehr oder wenig automatisch generieren. - Da sieht man bereits im Kern, wie das tiefsitzende Problem des Projekts der Moderne, die Realitätsferne, die Ursache für das Scheitern dieser naiven Transformationsanstrengungen ist.

Man vermutet daher gerade auch im allgemeinen, heutigen Großstadt-Verständnis bei soviel positiver Begrifflichkeit und sprachlicher Glätte den dahinter liegenden Abgrund. Die Dinge sind nicht so wie sie scheinen. Sein und Schein. Man meint, den tatsächlichen Moloch dahinter ahnen zu können. Aber auch die Skepsis garantiert nicht ohne Weiteres den klaren Blick auf die Wirklichkeit der Dinge. 

Überdeutlich wird in diesem Film, dass für das Kulturgut „Architektur“ und für die Folgen von Bebauung, für den neu geschaffenen Stadtraum, in den präsentierten und personalisierten CEO/Vorstands-Vorsitzenden-Kreisen kein wirkliches Verständnis besteht. Architektur als Ausdruck von privatem oder öffentlichem Raumanspruch ist dort das notwendige Übel, die notwendige öffentlichkeitswirksame Formen-Sprachübung für die gemeinsamen "Werte", vorgetragen wie die Sonntagspredigten der Kirchen früher, oder das Freitagsgebet heute.

Aus dieser Sicht erfolgt die Kommentierung der Bauten, wie der Kommentar zu einer lästigen Art „Ästhetik-Steuer (AeSt)“, die der Kapitalgeber nach ausführlicher Darlegung der Verhältnisse an neofeudale Institutionen und hierarchisch nachfolgende Planer entrichten muss, um Raum beanspruchen zu dürfen. Eine „Abgabe“ als conditio sine qua non auf jeden Fall der Vermarkter und der Stadträte – meist mit naiver persönlicher Bedeutungsaufladung. Diese selbst lassen nämlich an den " Predigten und an den Predigern" kein gutes Wort, wenn es nicht von ihnen selbst stammt. Das sind heute Vorbilder. 

Apropos Investoren und Entscheidungsträger: Selbst ständig "auf der Durchreise“ (ECE=ICE) aber dem Handelskapital Ortsbindung aufschwätzen müssen, ist auch mörderisch und an sich dämlich. Denen bleibt nur der Diskurs in der Abgrenzung.

Zu dem Filmtitel im Einzelnen:

Bright: "hell, leuchten, klar, blank, heiter, lebhaft, gescheit, klug, aufgeweckt" sind Begriffe einer ganz bestimmten, positiven Werteskala. Doch diese ist nicht gemeint. Es geht um "Übersicht" keine "dunklen Ecken" und soweiter.

Sichtbarkeit, Transparenz und Offenheit sind hier nicht gemeint.

Safe: "Sicherheit“, einer der zentralen menschlichen Existenzbegriffe, ist für die Vermarktung im 21.Jhdt. kein Wert an sich, sondern steht wertfrei als Synonym für die Anwesenheit von "Security-Service", eine Vermarktungsidee, die den Händler als Raummieter dazu zwingt, auch dafür noch Geld locker zu machen, und dem Kunden klarmacht, dass er in einer spezifischen Einflusszone ist. Mit märchenhaftem Grundtenor "Wehe, wenn Du nicht einkaufst und hier nur herumlungerst, dann holt Dich der schwarze Mann". Um das glaubhaft herüberzubringen, müssen regelmäßig Exempel statuiert werden. "Sicherheit" bedeutet unter diesen Vorzeichen zweierlei: "Exemplarische Bestrafung" und "Einschüchterung des hochverehrten Publikums“.

Clean: "Sauberkeit“ ist für den Betreiber kein Wert an sich – auch wenn er so tut, sondern nur in Abgrenzung von Schmutz, Getier und anderen unsicheren Lebewesen etc. definierbar. Diese Art von "Sauberkeit', hat hier nichts aber auch gar nichts mit kleinbürgerlicher "Kehrwoche" zu tun. Auch hier wird der Wert an sich konterkariert: Der vorprogrammierte Schmutz wichtiger Mieter( Mac D) wird erwartungsgemäß von den Usern "radikal" entsorgt, das heißt einfach fallengelassen. Der lässig Wegwerfende weiß sich mit der Welt im Einklang, da er damit Arbeitsplätze sichert. Heisa hopsa, das ist ein Spaß!

..."Er ist jetzt wieder geschlossen", sagt Roman Herzog mit Blick auf die städtebauliche Lösung und bleibt damit in Bezug auf den Potsdamer Platz wunderbar zweideutig eindeutig.

Soweit die Gedanken zu diesem wirklich gelungenen Film.

WMH - 14.06.2004 

 

Brückenbau und Glatteisgefahr -

zu ACE Lenkrad 1/2003, Meinung, Seite 4, letzter Absatz

ihr Resümee ist reiner Populismus und mithin gesprochen falsch, was Sie da zum Thema „Brücke“ schreiben.  Zuständig, richtig zuständig, für die Brücken an Bundesstraßen und an Autobahnen sind die von uns allen beauftragten Bundesbehörden und Autobahnämter mit Ihrem hochqualifizierten und gut bezahlten Personal. Dort sitzt auch die Verantwortung für diese Brücke, die Sie als Fehlkonstruktion bezeichnen.

Offenbar jedoch geben Sie als Chefredakteur einer Autofahrerzeitschrift mehr dem „modernen“ Konzept von „Verantwortung“ den Vorzug. Auch Sie scheinen zu meinen „Verantwortung“ bedeutet, :„die anderen sind schuld“. In diesem Fall der Planer. Wer die aufwendigen Genehmigungsvorgänge und die minutiöse Reglementierung durch Vorschriften und Vorgaben des Bestellers von Brücken kennt, muss wissen, dass Ihre Behauptungen ins Leere laufen. 

Mir kommt angesichts des Schadens außerdem eher der Wortlaut des §1 der Straßenverkehrsordnung in den Sinn, der angepasstes Fahren verlangt. Auf Brücken ist zudem schon immer konstruktionsbedingt mit Frost zu rechnen. Ob eine Brücke nun vor einem Tunnel oder dahinter liegt ist nun wirklich kein besonderes Merkmal.

Das hohe Risiko, in das wir Autofahrer uns Tag für Tag begeben, ist das  Ergebnis ausgetüftelter Technik und nicht ein lästiger Nebeneffekt, das sollten wir bei aller Schuldzuweisung nicht vergessen. Auch ein Fahrzeug mit Stern ist vor Schaden überhaupt nicht sicher.

Auf Seite 7 zeigen Sie doch selbst in der Statistik, dass im Jahr 2001 auf unseren Straßen in der Bundesrepublik 6977 Tote verunfallt sind. Die Statistik entspricht jährlichen Bürgerkriegstoten in instabilen Regionen der Welt. Und vielleicht stimmen Sie mir sogar zu, wenn ich hier mit hinreichender Sicherheit behaupten kann, dass das  weder hier wie dort an fehlenden Enteisungsanlagen liegt.

Diese Gedanken wollte ich Ihnen sozusagen zum „Neuen Jahr“ mitteilen... 

WMH -17.01.2003



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